Mittwoch, 5. September 2012

Nachmittagsunterricht


Am Vormittag konnte ich heute mal zuhause bleiben um einige Sachen fürs Wochenende zu regeln, worum es da geht werdet ihr später erfahren.
Gegen 11 bin ich dann wieder zum Haus von Miosoty, habe ihr bei den Englischhausaufgaben geholfen und mit ihr gegessen. Dann bin ich gegen 2 zur Schule, da dort um 2.15 der Nachmittagsunterricht anfangen sollte. Auf dem Weg dorthin hat mich dann der Lehrer der Oberstufen auf seinem Motorrad mitgenommen. Dort angekommen, war ich bis um 5.15 bei der 5. Klasse im Naturwissenschafts- und im Spanischunterricht. Zwischendurch hat es ziemlich gegossen und auch als die Schule aus war sah der Himmel noch ziemlich düster aus. Ich steige jetzt auch mehr durch das Schulsystem durch:


Vormittags hat die erste, zweite, dritte und achte Klasse Unterricht und am Nachmittag dann die vierte, fünfte, sechste und siebte Klasse. Musikunterricht gibt es nicht, da es keine Musikinstrumente gibt und Sport gibt es auch nur für die Vormittags-Kinder. 
Bevor die Kinder nach Hause gehen dürfen wird immer erst noch die Flagge gehisst. 
Schon mal gedacht, dass einige Kinder in Deutschland einen gefährlichen Schulweg haben? Das ist nichts im Gegensatz zu den Schulwegen hier! Die Kinder müssen alle am Straßenrand der Bundesstraße gehen, ohne Fußweg und die Autos und Lkws knattern hier mit 100 km/h oder mehr längs. Ich habe sie noch lange begleitet und vor allem als zwei Kinder sich in ein anhaltendes Auto gelehnt haben wurde mir besonders mulmig. Einige Kinder fahren hier dann auch wirklich per Anhalter bei irgendwelchen Fremden mit. Ich habe die Kinder noch ein wenig begleitet und bin dann aber auch mit der Guagua nach Hause. 

Zuhause hab ich dann noch einmal ein deftiges Essen vorgesetzt bekommen und habe mich noch intensiv mit meiner Mutter unterhalten. Als ich gerade ins Bett wollte entdeckte ich mal wieder eine dieser „kleinen“ Spinnen in meinem Zimmer, nachdem ich sie unter einen Schrank gejagt hatte, habe ich mich schnell in meinem Bett verkrochen und das Moskitonetz fest geschlossen. Hoffen wir das Beste! :D

Dienstag, 4. September 2012

San Juan

Heute war der Tag, an dem ich zum ersten Mal alleine zum Projekt finden musste. Als ich mich aber gerade auf den Weg gemacht hatte, kam auf einmal mein Gastbruder, sammelte mich ein und fuhr mich zu meiner Schule. Dort war ich den ganzen Tag in der 1. Klasse. Es ist echt alles ganz anders als ins Deutschland. Die Kinder arbeiten immer nur dann, wenn ein Lehrer neben ihnen steht. Außerdem bekommen sie es nicht einmal hin eine 1 zu schreiben und die Lehrer wollen gleich alle Zahlen bis 5 sehen. Es war eh komisch, denn nach einer kleinen Pause sollte sie dann auf einmal die Vokale in Kleinbuchstaben schreiben, obwohl sie nicht einmal die Großbuchstaben können. Auch gibt es hier nicht wie bei uns tolle Schulhefte mit den Häuschen und dem Keller, oder Hefte. Hier sollen sie das in ganz normale kleine Linien zwängen, ohne Vorlage. 


Ich habe ihnen die Buchstaben dann erst einmal in groß aufgemalt und sie sollten ersteinmal nur den Linien folgen. Dann hab ich mit ihnen zusammen den Buchstaben immer und immer wieder gemalt und dann sollten sie es alleine versuchen. Es hat zwar nicht immer so gut geklappt wie ich es gerne gehabt hätte, aber ich war schon stolz, als der kleine Junge den Strich vom „a“ in die richtige Richtung gesetzt hat. 

Nach der Schule bin ich dann mal wieder zu Miosoty und zusammen sind wir dann wieder per Anhalter nach San Juan gefahren. Ich hatte aber nicht wirklich Lust auf 4 Stunden Englisch, deshalb bin ich durch die Straßen geschlendert, hab mich in den Park gesetzt und Besorgungen gemacht. Mit Miosotys Bruder habe ich dann endlich ein kleines Handy für mich gekauft. Nummer: 001-809-686-9151 

Gegen 7 haben wir uns dann auch wieder auf den heimweg gemacht. Da habe ich mich dann zum ersten Mal so richtig mit meinem Gastvater unterhalten, der gerne Deutsch lernen möchte. Es sind dann noch einige Freundinnen vorbei gekommen und irgendwann bin ich dann auch ins Bett.

Montag, 3. September 2012

La Pajonal

Damit ich rechtzeitig fertig werde, bin ich heute kurz nach 7 aufgestanden. Miosoty kam dann gegen 20 nach 8 fast pünktlich um mich abzuholen. Sie hat mir dann gezeigt, wie ich in der Guagua zu meiner Schule komme. Meine Schule heißt „Escuela Columna“ und liegt nicht in Las Matas sonder in La Pajonal, eine Ansammlung von Häusern die etwa 7 km entfernt liegt. Dort wurde ich dann erst den Lehrern und dann den Kindern vorgestellt. Die Schule ist echt total niedlich. Es gibt etwa 5 Klassenräume mit Kindern von etwa 5-10 Jahren. 
Danach hat mir Miosoty ein bisschen die Häuser in La Pajonal gezeigt, da sich hier ja eh jeder kennt. Am Ende sind wir zu ihr nach Hause. Ihr Haus ist einfach unbeschreiblich und trotzdem werde ich versuchen es euch nahe zu bringen:
Das Haus besteht eigentlich nur aus ein paar Holzbrettern, die durch die ganzen Pflanzen die bereits darüber gewachsen sind aneinander gehalten werden. Es gibt zwei „Schlafzimmer“, die eigentlich nur aus zwei Betten und einer Wand dazwischen bestehen. Das Wohnzimmer, ist gleichzeitig Esszimmer und die einzigen Möbel sind ein Esstisch mit vier Stühlen, zwei Schaukelstühle und ein Fernseher. Es gibt zwei Küchen. Eine im Haus, die aus einem Waschbecken, einem kleinen Tisch und einem Kühlschrank besteht und eine draußen, wo an einer steinernen Kochstelle das Essen zubereitet wird. Das Bad ist ein kleines Plumsklo draußen auf dem Hof, wo man dann auch gleichzeitig drin duscht. Dazu muss man aber erstmal den Eimer Wasser und die Schöpfkelle herantragen.
Die Hände wäscht man sich in dem kleinen Bach, der gleich neben dem Haus verläuft. 
die "Toilette"
das "Waschbecken"
lk
die "Küche"
Auch wenn das jetzt alles ziemlich fremd und komisch klingt, muss ich sagen, dass ich dieses kunterbunte Örtchen liebe! Es versprüht einen Charme, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe.
Miosoty ist mit mir gleich mal Mangos, Orangen, Limoncillos und Guayabas pflücken gegangen. Es hat so Spaß gemacht sich mal wieder wie ein Kind zu fühlen, in den Baum zu klettern und dort  das frisch gepflückte Obst zu verspeisen. Nur waren es diesmal Mangos. 




Hinzukommend wimmelt es dort nur so von Tieren: Hühner, Katzen, Pferde, Ziegen, Hunde (einer leider mit heftigen Entzündungen), Gekos, Schweine, Fische, Spinnen, Zebu Rinder, alles mögliche.Es duftet nach verbranntem Holz und durch die Bäume liegt das Häuschen windgeschützt und im kühlen Halbschatten. 
Was diesen Ort aber erst so perfekt macht ist die Ruhe die er ausstrahlt. Alle Menschen sind total entspannt und zuvorkommend. Es gibt keinen Krach durch Autos oder Touristen. Das einzige was man hört sind die Tiere, das Plätschern des Baches, die eigenen Stimmen und wenn man genau hinhört, erkennt man in weiter Entfernung Klänge von Merengue. 

Nachdem wir gegessen hatten, sind wir dann per Anhalter nach San Juan, der nächst größeren Stadt, die etwa 30 Minuten Autofahrt entfernt liegt. Miosoty besucht dort an der Universität einen Englischkurs, der hier dem Niveau des Englischunterrichts der 8. oder 9. Klasse entspricht. Zuerst war ich mit in ihrem Kurs, doch da sie Vorträge halten mussten und die Jungs total nervös bei meinem Anblick geworden sind (so die Meinung der Mädchen) bin ich in den anderen Englischkurs gewechselt. Dort hat mir bei der Vorstellungsrunde ein mir völlig fremder Junge seine Liebe gestanden, naja die Dominikaner sind in solchen Dingen halt ziemlich schnell und direkt. Die Uni ist übrigens atemberaubend schön. Die Wände sind mit farbenfrohen, künstlerisch wertvollen Wandmalereien verschönert und überall stehen Palmen. Nach 4 Stunden Unterricht sind wir beiden Mädchen dann noch schnell eine dünne Hose für meine Arbeit kaufen gegangen (denn in meinem Projekt muss man ausschließlich lange Hosen tragen und ich hatte nur die dicke minus-Grade-fähige Jeans dabei).
Als wir uns dann endlich auf den Heimweg machen konnten, war es schon echt spät und wir mussten ewig auf die Guagua warten. Ein älterer Herr nahm uns dann netterweise ein Stückchen in seinem Auto mit. Von dort aus nahmen wir eine Guagua, die eigentlich nicht in Las Matas halten durfte. Miosoty hat ihn noch versucht zu überreden, doch der Fahrer  
Wollte partout nicht kurz in Las Matas Halt machen und so sind wir an irgendeiner Tankstelle ausgestiegen und wurden von ihrem Onkel (der zum Glück gerade in der Nähe war) abgeholt. Nun heißt Abholen jedoch nicht bequem mit dem Auto herum kutschiert zu werden. Ihr Onkel kam auf seinem kleinen Motorrad schon mit einem anderem Freund auf dem Rücksitz angerattert und so zwängten wir uns zu viert auf die kleine Kiste und tuckerten nach Hause. Erschöpft konnte ich dann endlich ins Bett fallen.

Sonntag, 2. September 2012

Welcome Party

Heute morgen wurde ich mal wieder gegen 8 vom Hahn geweckt. Als ich duschen wollte entdeckte ich eine kleine Spinne. Eigentlich wollte ich selber mit dem Besen ihr den Kampf ansagen, aber Vivita übernahm das netter Weise für mich. Nachdem ich mich fertig gemacht habe, hab ich Joghurt gefrühstückt und dann habe ich mein Zimmer sauber gemacht und den Boden gewischt. Später bin ich mit meiner Schwester Vivi in die Stadt. Wir waren bei einem komischen kleinen Laden, wo es einfach alles gibt. Von Schuhen, über Milch und Hundefutter bis hin zu Handykarten und das alles auf engstem Raum. Ich wollte aber kein Foto davon machen, da mich eh alle schon wie einen Alien angesehen haben. 

Als wir fertig waren, liefen gerade einfach mal ein paar Kühe über die Straße die von ein paar Haitianern geführt wurden. Wir sind dann noch zum Markt. Es ist schon komisch, ich bin es ja eigentlich von Mexiko gewöhnt, dass man angesprochen wird, weil man anders aussieht. Aber hier in Las Matas ist es echt schon extrem. Man fühlt sich wie auf einem Laufsteg, wo die Zuschauer genau das aussprechen, was sie von dem Model halten. Keine Straße kann man entlang gehen, ohne dass nicht mindestens 3 Leute einem etwas wie „ay Rubia“, „guapa“ oder „hermosa“ hinterher rufen. Schon echt extrem alles hier. Wir wurden dann mal wieder von einem Freund von Vivi mitgenommen. Zuhause habe wir dann auch Mittag gegessen. 

Der Nachmittag war etwas ruhiger. Ich habe mich etwas gesonnt und endlich mal wieder mit meiner alten Freundin Sidse aus Dänemark geskypt. Etwas später kamen ein paar Verwandten vorbei und ein kleines Mädchen ist dann bei mir geblieben. Ich hab mit ihr etwas getanzt, Klatschspiele gespielt und nach dem Duschen wollte sie mir unbedingt einen Zopf flechten, was etwa 5-10 Minuten gedauert hat :D
Die Klatschspiele sind nicht wie bei uns über Omas, die aus dem Krankenhaus geschmissen werden oder über brennende Hochhäuser. Nein hier singen sie darüber, wie toll sie sind und wie sie sich mit diesem oder jenen niemals sehen lassen würden. Auch singen sie zum Beispiel darüber, wie sie eine Familie eines Jungens beleidigen. Naja alles ein wenig anders halt.



Später am Abend sind dann die ersten Freunde von Vivi eingetroffen, da sie für mich eine kleine Party geplant hatte. Der Abend war wirklich gut. Zuerst habe ich noch mehr dominikanische Ausdrücke kennen gelernt, dann wollte mir ein Mädchen unbedingt die Haare glätten -was etwa eine Stunde gedauert hat- und dann ging es endlich ans Abdancen draußen auf der Straße. Die Musik wurde von einem Freund gestellt, der aus seinem kleinen Auto auf einmal eine riesige Anlage auf dem Autodach aufbaute und die Musik bis zum Maximum aufdrehte. Es sind echt viele da gewesen und ich hab mich mit einigen sogar richtig angefreundet. Meine Schwester hat mitten im Geschehen dann noch einen riesigen Topf Spaghetti daher gezaubert, der aber innerhalb von wenigen Minuten leer war. 

Erst später ist mir aufgefallen, dass das kleine Mädchen (ich glaube sie ist 8 Jahre alt oder so) auch gegen kurz nach 11 noch auf den Beinen war. Als sie jedoch von den anderen dazu ermuntert wurde zu tanzen und das auf eine Art und Weise wie man es eigentlich nur in Stripp-Lokalen tut und meine Schwester ihr hinzukommend auch noch Alkohol zu trinken gegeben hat wurde ich echt nervös. Die kleine wurde immer hibbeliger und deshalb hab ich mich erstmal mit ihr hingesetzt und mit ihr Klatschspiele gespielt mit der Hoffnung sie würde sich etwas beruhigen. Kurz nach 12 nahm ich sie dann an der Hand und wollte sie nach Hause bringen. Ein paar Freundinnen haben mir dann jedoch erklärt, dass sie etwa 10 Straßen von ihr wohnt und heute hier schlafen wird. Also hab ich sie bei uns gelassen aber auch darauf geachtet, dass sie nichts mehr zu trinken bekommt. Etwas später sind dann langsam alle nach Hause und ich hab die kleine ins Bett bekommen. 

Da es morgen endlich ins Projekt gehen sollte, habe ich mir noch schnell den Wecker gestellt und bin erschöpft ins Bett gefallen.

Samstag, 1. September 2012

El Club

Der Hahn hat pünktlich zum Sonnenaufgang gekräht und so wurde ich schon relativ früh wach, da es nach einiger Zeit auch viel zu warm war um noch im Bett zu liegen. Ich bin also erst einmal unter meine Dusche gesprungen (wo eh nur kaltes Wasser rauskommt) und hab mich dann daran gemacht meinen Koffer auszuräumen und mich häuslich einzurichten. 








Am Nachmittag hat mich mein Chef angerufen und mir erklärt, dass er mir nicht heute mein Projekt zeigt, sondern am Montag. Gegen 4 kam dann Miosoti mit einem kleinen Mädchen an der Hand um mich abzuholen. Miosoti wir meine Ansprechpartnerin hier sein und zusammen mit Robin und mir in der Hausaufgabenhilfe arbeiten. Erster Eindruck: sie sieht noch sehr jung aus (und ist es wohl auch), deshalb war ich erstaunt als sie mir erklärte, dass sie mit mir eins der Projekt leiten würde. Wir sind dann zu dritt in den Park gegangen und haben uns ein Eis gekauft. Im Eis“cafe“ hat mich dann der erste kleine Junge um Geld gebeten. Ich blieb streng und verneinte es. Es kam mir jedoch komisch vor, denn es könnte ja sein, dass ich später mit genau diesem Kind arbeiten werde. Miosoti konnte mich aber dahingehend beruhigen. 




Dann war es soweit: mein erster Ritt auf einem Motoconchi stand an. Motoconchis sind einfache Motorräder die als Taxis verwendet werden. 50$, also 1€ kostete die fahrt. Es hat sich total komisch angefühlt, da man seinem Fahrer ja näher kommt als sonst. Da die Straßen hier auch nicht wirklich gut ausgebaut sind, hat sich die Fahrt eher angefühlt wie auf einem Esel. Wir sind zu einem Club gefahren. Dieser Club besitzt einen Pool und Anlagen zum Sporttreiben, er ist aber kleiner als sich einige jetzt vielleicht vorstellen. Dort angekommen stellte mir Miosoti ihre Cousine oder so vor und dann sind wir zu einem Spielplatz, wo wir uns ein wenig amüsiert haben (ja es kann echt immer noch Spaß machen zu schaukeln). Danach sind wir wieder Richtung Pool, wo ich tausende Bilder von Miosotis Cousine machen sollte, welche gerade Schwanger ist. Danach haben wir uns zu einigen Freunden von Miosoti gesetzt und eine Cola getrunken. Später kamen noch einige anderen Bekannten von ihr, die gerade an irgendeiner Besprechung teilgenommen haben. Diese Typen waren aber etwas komisch meiner und auch Miosotis Meinung nach (sehr macho).





Danach sind wir wieder nach Las Matas, wohin wird durch einen, ich hoffe mal, Freund von Miosoti gekommen sind. Dort hat sie mir dann schonmal gezeigt, von wo aus ich den Guagua zu meinem Projekt am Montag nehmen soll. Danach haben wir dann noch ein paar Freunde und Verwandte von ihr besucht (auch ein ganz süßes kleines Baby, das gerade mal 5 Monate alt war). Sie hat mich dann noch nach Hause gebracht, obwohl ich ihr angeboten habe alleine zugehen. Zuhause hatten wir dann gerade mal keinen Strom, die Dusche funktionierte aber zum Glück trotzdem. Jetzt bin ich einfach mal am entspannen und ich denke es gibt gleich auch Abendbrot.